Bauer Etzel: Bio und stur

Paul Erich Etzel
Paul Erich Etzel (Privat)

Er ist der Pionier der Öko-Landwirtschaft im Hochtaunuskreis - und inzwischen sogar international als Berater gefragt. Trotzdem findet Paul Erich Etzel vor Ort nur wenige Nachahmer.

Paul Erich Etzel ist keiner, der sich anpasst. Im Gegenteil: Als noch fast alle Kollegen den Kopf über solch "grüne Spinnerei" schüttelten, hat der Wehrheimer Landwirt seinen Getreideanbau vor 20 Jahren konsequent auf ökologische Produktion umgestellt. Und weil er sich ideologisch nicht vereinnahmen lassen wollte, hat CDU-Mitglied Etzel sich keinem der bekannten Erzeugerverbände angeschlossen - er geht stattdessen mit dem 1993 entwickelten Markenzeichen " Blütenkranz Naturkorn" seinen eigenen Weg. 

Da ist es fast selbstverständlich, dass sich der Öko-Pionier auch mit Blick auf den aktuellen Bio-Markt als Querdenker erweist. So sieht es Etzel nicht nur negativ, dass nun auch Discounter Bioprodukte in ihr Sortiment nehmen wollen. "Wir Bio-Bauern sollten dankbar sein, dass die großen Lebensmittelketten das Thema Bio aufgegriffen haben", findet er. Auch Importe von Bio-Waren aus fernen Ländern lehnt Etzel nicht grundsätzlich ab. Zwar bleibe dabei "viel an ökologischem Bewusstsein auf der Strecke". Doch: "Wenn der Kunde die Produkte verlangt und wir bieten sie ihm nicht, geht er woanders hin."

Wichtig ist ihm vor allem, "möglichst viel Fläche" auf Bio-Produktion umzustellen. Dass es ihm trotz seines wirtschaftlichen Erfolges nur wenige Kollegen im Taunus nachmachen, ist Etzel ein Rätsel. Schließlich liege mit dem Rhein-Main-Gebiet der Absatzmarkt direkt vor der Haustür. Einige Kollegen beliefern inzwischen die neue Biogasanlage auf der Deponie Brandholz, zu der Etzel sich kritisch geäußert hat. Dabei habe er nicht grundsätzlich etwas gegen eine solche Anlage, versichert der Bio-Landwirt. Doch seien die Flächen gerade im Taunus zu wertvoll, um darauf Energiepflanzen anzubauen. "Jeder Hektar Mais fehlt bei der Lebensmittelerzeugung."

So würde Etzels Sohn Werner, der den Hof inzwischen führt, die derzeitige Anbaufläche von 135 Hektar gerne verdoppeln. Nötig wäre das vor allem für den geplanten Aufbau einer Bio-Hühnerzucht mit 4500 Tieren. "Die Nachfrage ist da" , versichert Paul Erich Etzel. Die Eier der 100 Hühner, die er selbst auf dem alten Hof hält, würden ihm derzeit "regelrecht aus der Hand gerissen".

Nachdem er den Hof an den Sohn und die Hofläden an Tochter Beate übergeben hat, ist Etzel zwar aus dem unmittelbaren Geschäft ausgeschieden. "Doch ich will noch so lange wie möglich Landwirt bleiben und etwas bewegen." Das tut er etwa als Mitglied des Rotary-Clubs Usingen - oder auch als Vortragsreisender. Als solcher ist er zur Zeit sogar international gefragt - mit seinem aktuellen Leib- und Magenthema: "Hochwertige Lebensmittel oder Energie vom Acker?"

Frankfurter Rundschau 20.10.2007