Wiesbaden steigt bei Thüga ein

Thüga-Zentrale
Thüga-Zentrale (Thüga)

Wenn es um den Handel von Gas und Strom geht, will Wiesbaden künftig an den globalen Märkten mitmischen. Jedenfalls ein bisschen. Möglich machen soll das der geplante Kauf der Eon-Tochter Thüga durch ein Konsortium aus fast 50 Stadtwerken.

Der gesamte Deal hat ein Volumen von drei Milliarden Euro, Wiesbaden beteiligt sich mit 100 Millionen Euro. Dafür erhält die Stadt einen Anteil von knapp vier Prozent an der Thüga, die wiederum mit 49,6 Prozent an den heimischen Stadtwerken Eswe-Versorgung beteiligt ist. Dass die Stadt nicht einfach die Eswe-Anteile zurückkauft, begründete Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) gestern in einer eilig anberaumten Pressekonferenz mit den Chancen der neuen Konstellation.

Der Zusammenschluss mit den anderen Kommunen bewirke eine "Nachfragemacht", die Eswe alleine nie hätte, so Müller. So bündelt die Thüga rund 20 Prozent des deutschen Gasabsatzes. "Das gibt uns die Möglichkeit, überall auf der Welt preisgünstig Gas einzukaufen", so Müller. "Außerdem haben wir dadurch unsere Eigenständigkeit gesichert", ergänzte Michael Lomb, der für die Eswe an den Verhandlungen beteiligt war. Neben der KMW gebe es nun ein zweites festes Standbein für den Bezug von Gas und Strom.

Doch nicht nur beim Energie-Einkauf sieht OB Müller bessere Möglichkeiten - auch bei der Produktion biete der Thüga-Deal neue Chancen. Ausdrücklich erwähnte er dabei den "Ausbau von regenerativen Energien", bei dem Eon bislang im Bremserhäuschen saß. "Im kommunalen Verbund sind nun Forschungen und Modellvorhaben machbar, die wir allein nicht stemmen könnten", so der Rathauschef.

Dicker Wermutstropfen dabei: Das auf Offshore-Windparks spezialisierte Unternehmen Dong Energy gehört nicht - wie ursprünglich vorgesehen - zu den neuen Thüga-Gesellschaftern. Dass die Stadt sich an ihrem Beitrag von 100 Millionen Euro verheben könnte, wehrt OB Müller ab. Schließlich gebe es derzeit äußerst günstige Kredite und das Energiegeschäft werfe ja auch einen Ertrag ab.

Endgültig ist der Thüga-Kauf indes noch nicht. "Bis Ende des Jahres", schätzt Müller, werde das noch dauern. Zum einen müssen die Parlamente der beteiligten Städte zustimmen, und auch das Kartellamt muss das Geschäft noch prüfen.

Frankfurter Rundschau 12.8.2009