Der letzte Polizeiruf

Gregor Kremp und Inga Busch
Gregor Kremp und Inga Busch (HR Fernsehen)

Nach gerade einmal vier Folgen ist schon wieder Schluss: Die ARD stellt ihren Polizeiruf 110 aus Bad Homburg ein. Viele Einheimische sind ganz froh darüber. Nur Wirt Pino ist betrübt.

Wehmut schwingt mit, wenn Pino Schiliro über die Dreharbeiten zu "Kellers Kinder" spricht, den vierten Polizeiruf 110 aus Bad Homburg. "Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht", erzählt der Wirt des Bad Homburger Restaurants "Fantastico". Sein Lokal fungiert in allen vier Folgen als wichtiger Handlungsort. Und auch er selbst ist in allen Polizeirufen zu sehen - als Mitarbeiter von Sophie (Inga Busch), der Freundin von Kommissar Thomas Keller (Jan-Gregor Kremp).

"Das war gar nicht so schwierig. Ich konnte mich ja quasi selbst spielen", schildert der 44-Jährige seine Erfahrungen beim Dreh. Drei bis fünf Tage habe er jeweils schließen müssen, damit die Fernseh-Crew in seinem Restaurant arbeiten konnte. Das sei durchaus mit Stress verbunden gewesen, sagt Schiliro. "Das ging von morgens um 8 Uhr bis teilweise 3 Uhr in der Nacht." Dennoch verbindet er mit den Polizeirufen ausschließlich positive Erinnerungen. Sowohl die Schauspieler wie auch das sonstige Team seien äußerst sympathisch gewesen. "Da war keiner hochnäsig." Auch die fertig geschnittenen Filme sieht er sich auf DVD immer wieder gerne an. "Wenn man weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt, sieht man das Ganze natürlich auch mit anderen Augen."

So positiv kamen die Polizeirufe nicht bei allen Homburgern an. Mancher stieß sich an der trüben, teilweise depressiven Atmosphäre, in die Regisseur und Drehbuchautor Titus Selge die Kurstadt hüllt. Obwohl viele Bürger stolz waren, dass Bad Homburg zur besten Sonntagabend-Sendezeit bundesweit auf den Mattscheiben präsent war - mit der Darstellung ihrer 52.000-Einwohner-Kommune als provinzielle Kleinstadt konnten sie sich nicht so recht anfreunden.

Ähnlich ging es auch Stadtrat Peter Vollrath-Kühne (FDP). "Das Homburg im Polizeiruf hatte nicht viel mit dem zu tun, wie es die Homburger kennen." Dabei habe der Hessische Rundfunk vor der ersten Folge noch angekündigt, man wolle den geschichtlichen Hintergrund, die Schönheit der Kurstadt, aber auch die modernen Seiten Bad Homburgs präsentieren. "Davon war dann leider nicht viel zu sehen", moniert Vollrath-Kühne. Deshalb ist der Stadtrat "auch nicht allzu enttäuscht", dass der HR keinen weiteren Homburger Polizeiruf mehr plant.

Es seien von Anfang an nur vier Teile vorgesehen gewesen, teilt HR-Sprecher Thomas Häuser mit. Ob die Reihe künftig an einem anderen Ort in Hessen fortgesetzt wird, ist noch offen.

In der letzten Folge des Homburger Polizeirufs jedenfalls kommt es für Kommissar Thomas Keller wieder knüppeldick: Er muss die Entführung eines kleinen Jungen aufklären, derweil seine Freundin Sophie eine Fehlgeburt erleidet. Gedreht wurde unter anderem im Kurpark, auf der Saalburg, bei der Homburger Turngemeinde, im Seedammbad, in der Kita "Spatzennest" und auf dem Forellengut in Oberstedten.

Frankfurter Rundschau 9.1.2008