Dumas-Grusel in Eppstein

Burg Eppstein
Burg Eppstein (Monika Müller)

600 Bücher hat der französische Schriftsteller Alexandre Dumas geschrieben. Zu einem davon hat ihn ein Besuch in Eppstein inspiriert.

Zugegeben: Zu seinen bekanntesten Werken gehört er nicht, der Roman "Le chateau d’Eppstein", den Alexandre Dumas im Jahre 1844 in Paris veröffentlicht hat - im gleichen Jahr übrigens wie den deutlich populäreren "Die drei Musketiere". Doch war auch der Eppstein-Roman den deutschen Zeitgenossen immerhin drei Übersetzungen wert. Die erste stammt von einem gewissen August Schrader und erschien in zwei Auflagen 1847 und 1851 unter dem etwas umständlichen Titel "Albine oder die Erscheinung auf dem Schlosse Eppstein".

Die Stadt Eppstein besitzt zwei Exemplare dieser "Albine" – von jeder Auflage eines. Wobei die Ausgabe von 1847 in einem so schlechten Zustand ist, dass sie der Öffentlichkeit – noch – nicht präsentiert werden kann. "Sie müsste erst einmal restauriert werden", erklärt Stadtarchivar Bertold Picard. Deshalb müssen die Besucher bei der Wiedereröffnung des Stadt- und Burgmuseums am 10. August mit der deutlich besser erhaltenen zweite Auflage vorlieb nehmen. Genauer: mit deren Titelblatt. Picard: "Wer das Buch einmal durchschmökern möchte, kann sich eine Kopie in der Eppsteiner Stadtbücherei ausleihen."

Alexandre Dumas hatte Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts während einer seiner zahlreichen Reisen in Frankfurt Station gemacht und von dort aus mit einer Jagdgesellschaft einen Ausflug in den Taunus unternommen. Dass er dabei auch auf der Burg Eppstein war, geht aus seinem "Tagebuch einer Rheinreise" hervor. In das Gästebuch der Burg, das der damalige Burgbesitzer Georg Habel 1839 angelegt hatte, "hat er sich aber leider nicht eingetragen", wie Bertold Picard bedauert.

Was den Inhalt des Romans angeht, fällt dem promovierten Geschichtswissenshaftler Bertold Picard als erstes der Begriff "unhistorisch" ein. So leben etwa in Dumas’ Roman, der Ende des 18. Jahrhunderts spielt, die Grafen von Eppstein noch. "Tatsächlich", bemängelt Picard, "war die Familie jedoch schon seit 300 Jahren ausgestorben." Aber schließlich handelt es sich bei dem Text um Fiktion und so bescheinigt Picard ihm immerhin "ein paar wirklich spannende Szenen". Hauptfigur von "Le chateau d’Eppstein" ist Gräfin Albine, Ehefrau des "Wüterichs" Eberhard von Eppstein, dessen Ungehobeltheit und Eifersucht sie in den Tod treibt. Als Gespenst geht sie schließlich in der Burg Eppstein um und rächt sich an ihrem Gatten.

"Le chateau d’Eppstein" ist ein typisches Produkt der spätromantischen Schauerliteratur, der sich der Vielschreiber Alexandre Dumas auch in zahlreichen anderen seiner rund 600 Werke widmete. In der Regel schrieb er an mehreren Büchern gleichzeitig und zwar, wie berichtet wird, häufig vierzehn Stunden am Tag. Nicht zuletzt wegen dieses großen Fleißes war einer der ersten Schriftsteller in Frankreich, der von seiner Arbeit leben konnte. Und das überaus üppig. Allerdings gab er das Geld auch mit vollen Händen aus. So ließ er sich beispielsweise nach seinem großen Erfolg mit "Der Graf von Monte Christo" eine märchenhafte "Villa Monte Christo" bauen, die er aber kurz darauf wegen mehrerer Misserfolge bei Zeitschriftenprojekten wieder verkaufen musste.

Auf Beschluss der französischen Regierung sollen die sterblichen Überreste Alexandre Dumas’, der am 24. Juli 200 Jahre alt geworden wäre, Anfang Oktober in das Pariser Panthéon überführt werden. Nur fünf andere Schriftsteller haben dort bisher ihr Ehrengrab gefunden. Außer auf Voltaire, Rousseau, Emile Zola und André Malreaux trifft Dumas dabei noch auf einen weiteren prominenten Eppstein-Besucher: Victor Hugo. Dieser hatte sich im Gegensatz zu Dumas zwar nicht zu einem Roman inspirieren lassen – dafür findet sich von ihm ein Eintrag im Burg-Gästebuch.

Frankfurter Rundschau 7.8.2002