Nicht der zweite Mann sein

Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn (CDU)
Thomas Horn (CDU Kelkheim)

Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn erklärt im Interview, warum er beim wichtigsten Verkehrsprojekt der Stadt gescheitert ist. Außerdem spricht er über Bauunternehmer im Parlament und seine persönlichen Zukunftspläne.

Herr Horn, haben Sie den Schock über das endgültige Aus für die Umgehungsstraße B8 schon verdaut?

14 Jahre lang bin ich vehement für das Projekt eingetreten, und ich halte die B8 für alternativlos. Davon lasse ich mich nicht abbringen. Aber man muss erkennen, wann die Schlacht verloren ist.

Woran hat´s gelegen?

Der einstimmige Beschluss der Regionalversammlung Süd gegen die Umgehungsstraße ist ein klarer Erfolg für die Umweltaktivisten. Ihre Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Die Sensibilität für Umweltfragen wird im Ballungsraum immer größer. Zudem wurden die Befürworter der B8 von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer weniger. Die CDU hat dennoch vor jeder Wahl für die Straße geworben, und das hat uns sicherlich jedes Mal auch einige Prozentpunkte gekostet.

Die Kommunen Königstein und Kelkheim haben die Planung der B 8 vorfinanziert. Wie viel Geld hat die Stadt verloren?

Das B8-Projekt hat beide Städte voraussichtlich insgesamt 750.000 Euro gekostet. Das ist bitter, aber eine echte Alternative gab es nicht. Die Prüfung hat gezeigt, dass der Verkehr um 50 Prozent in Kelkheim entlastet wird, aber für die Raumverträglichkeit war das zu wenig. Wir können froh sein, dass in den 70er Jahren die B8 bis Hornau gebaut wurde.

Jahrzehnte lang galt die B 8 als Allheilmittel für die Kelkheimer Verkehrsprobleme. Haben Sie andere Lösungen in der Hinterhand, oder müssen sich die Anwohner der Durchgangsstraßen mit dem Ist-Zustand abfinden?

Das Thema Ortsumgehung ist endgültig durch. Es gibt auch keine Chance, an anderer Stelle eine zu bauen. Das innerörtliche Verkehrsproblem wird also bleiben. Es gibt jetzt nur noch Verbesserungsmöglichkeiten wie Grüne Welle, zusätzliche Kreisel oder Optimierungen im innerstädtischen Straßennetz. Das kann den Verkehr flüssiger machen, bringt aber keine echte Entlastung.

Hat der frühere Erste Stadtrat Johannes Baron die Kelkheimer Interessen verraten, weil er als neuer Regierungspräsident das Ende der B 8 besiegelt hat?

Er hätte nicht anders entscheiden können. Die Faktenlage war erdrückend. Er hat mich darüber frühzeitig informiert. Seine Entscheidung ist transparent und nachvollziehbar, auch wenn das Ergebnis letztlich schmerzt.

Über die Nachfolge von Johannes Baron gab es ja in der FDP ein großes Hin und Her. Wie lässt es sich denn mit Dirk Westedt an?

Ich habe einen sehr guten Eindruck. An der Dezernatsverteilung wird sich nichts ändern. Seit Januar ist Herr Westedt Kämmerer. Obwohl ich diese Zuständigkeit ungern wieder abgebe. In den vergangenen Monaten war ich für den Haushalt verantwortlich und habe diese Aufgabe sehr gerne gemacht.

Obwohl Kelkheim ein Defizit von 8,8 Millionen Euro hat? Wo sehen sie denn Möglichkeiten, die Finanzlage zu verbessern?

Das Sparen ist ausgereizt. Nur durch einen Konjunktur-Aufschwung können wir wieder in andere Fahrwasser kommen. Dafür haben wir Gewerbegebiete vorbereitet und Kelkheim ist nach wie vor ein hochattraktiver Wohnstandort. Mit dem "Spar-Euro", der uns vom Steuerzahlerbund verliehen wurde, finden unsere Sparbemühungen auch außerhalb Kelkheims Wertschätzung.

Apropros Wohnbebauung: Der Immobilienmarkt im Kreis ist seit zwei Jahren rückläufig. Sind da neue Baugebiete überhaupt noch notwendig?

Wir haben kein Überangebot an Grundstücken und Häusern. Es fehlen vor allem mittelgroße Bauplätze. Wer 750.000 Euro für eine Immobilie ausgeben will, hat zu Recht hohe Ansprüche. Nur wenige Käufer bevorzugen sanierungsbedürftige Häuser aus den 50er und 60er Jahren, die energetisch völlig veraltet sind. Maßvolle Ausweisung von Baugebieten ist für eine Stadt lebensnotwendig. Stillstand ist immer Rückschritt.

Wenn es um Entscheidungen zu Baugebieten in Kelkheim geht, sitzt der große Bauunternehmer Günter Horn als FDP-Fraktionsvorsitzender immer mit am Tisch. Ist diese Verquickung nicht anstößig?

Nein. Es wäre falsch, jemandem lokalpolitisches Engagement zu verbieten, nur weil er Unternehmer ist. Günter Horn ist ein exzellenter Baufachmann, und davon profitieren die politischen Gremien. Außerdem gilt die Regel, dass Mandatsträger in eigener Sache nicht mitwirken dürfen, und darauf wird penibel geachtet. Die Transparenz der Entscheidungen ist sehr hoch, dafür sorgen schon die CDU als Koalitionspartner sowie eine engagierte Opposition aus SPD und UKW.

Die Projektgesellschaft Horn hat zuletzt das Varta-Gelände bebaut. Wird sie auch das Wohngebiet Schlämmer entwickeln?

Das Varta-Gelände ist ein Premium-Wohngebiet und ein Vorzeigeprojekt in der Region. Es ist immer gut, mit ortsansässigen Unternehmen zu arbeiten, weil nur diese einen guten Ruf zu verlieren haben. Aber der Schlämmer wird sich eher nicht für einen Bauträger eignen. Da gibt es viele Eigentümer, und es werden wohl vor allem Münsterer Familien sein, die dort selbst bauen.

Sie werden in diesem Jahr 50. Zeit zu neuen beruflichen Zielen aufzubrechen, oder haben sie sich schon mit lebenslänglich Kelkheim abgefunden?

Ich bin 2009 für weitere sechs Jahre wiedergewählt worden und immer noch gerne Rathauschef. Wenn man Bürgermeister ist, will man nicht anderswo der zweite Mann sein. Bürgermeister in Kelkheim zu sein, das ist Berufung. Der Fraktionsvorsitz für die CDU-FWG-Gruppe beim Planungsverband macht mir zudem viel Freude. Mein Wahlspruch ist: "Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt den Schritt." Meine Bilanz der vergangenen 14 Jahren kann sich sehen lassen, nur beim Bau von Umgehungsstraßen und Golfplätzen kann ich nicht reüssieren.

Sie wollten die Erweiterung des Golfplatzes im Alleingang im Flächennutzungsplan verankern und sind damit gescheitert. War das taktisch unklug?

Bei diesem Thema war ich Überzeugungstäter. Und damit, dass ich im Parlament keine Mehrheit bekommen habe, kann ich leben. Vorzupreschen ist doch kein schlechter Zug in der Politik. Nur so werden auch politische Entscheidungen finalisiert.

Wie hoch ist denn Ihr eigenes Handicap?

Ich bin selbst kein Golfer, aber wenn man es scheuklappenfrei betrachtet, ist der Golfplatz Hof Hausen ein Magnet in der Region. Jetzt wo die große 30-Hektar-Erweiterung vom Tisch ist, sollte man überlegen, ob man sich nicht wenigstens auf eine Optimierung der Driving Range verständigen könnte.

(mit Barbara Helfrich)

Frankfurter Rundschau 6.1.2010