"Wir haben ein überwältigendes Feedback"

Christopher Jahns
Christopher Jahns (Privat)

Der Präsident der European Business School, Christopher Jahns, spricht im Interview über Wiesbaden als Universitätsstadt, öffentliche Eliteförderung und die Schimmelschulen in der hessischen Landeshauptstadt.

Herr Jahns, im Juni wird die European Business School ihre zweite Fakultät - die Law School - in Wiesbaden gründen. Was ändert sich dadurch für Sie?

Mit der Gründung der Law-School wird unsere Privathochschule zur ersten und einzigen Wirtschaftsuniversität Deutschlands. Für uns ist das genial. Durch mehrere Fakultäten können wir enorm viele Synergien schaffen.

Stadt und Land unterstützen den Aufbau der Law School mit rund 50 Millionen Euro. Die Lehrergewerkschaft GEW, Elternbeiräte und Schülervertreter sind darüber empört, da einige staatliche Schulen in Wiesbaden total marode sind. Was sagen Sie dazu?

Dafür bin ich nicht verantwortlich. Das kommunale Schulbudget hat mit dem Wissenschaftsbudget des Landes nichts zu tun. Ich finde, man sollte für Schule alles Geld der Welt ausgeben. Man muss beides tun: in breite Bildung investieren und in international wettbewerbsfähige Spitzenbildung. Sonst haben wir in Deutschland in Zukunft ein Problem.

Aber in Wiesbaden bleibt nun einmal die Sanierung von mehr als fünf total maroden Schulen aus Geldmangel auf der Strecke, während die EBS-Millionen fließen. Macht Ihnen das gar kein schlechtes Gewissen?

Richtig wäre es, die 1,2 Milliarden Euro, die die zwölf hessischen Hochschulen jährlich vom Land bekommen, den drei Millionen Euro jährlich entgegenzustellen, die wir begrenzt auf acht Jahre als Anschubfinanzierung bekommen. Und das ist doch wirklich nicht so schlimm, wenn man bedenkt, was Land und Stadt dafür bekommen.

Was bekommen sie denn?

Sie bekommen eine Top-Wirtschaftsuni, die international wettbewerbsfähig sein wird, Arbeitsplätze für 80 BWL- und 30 Jura-Professoren und 200 Mitarbeiter, Studienplätze für 800 Jurastudenten und 1000 Weiterbildungsplätze. Top-Wirtschaftsleute wie etwa Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus werden zu uns nach Wiesbaden kommen, es wird ein studentisches Leben geben, eine Verjüngung der Stadt.

Hätte es einer Privatuni wie der EBS, die nur Wenigen zugänglich ist, nicht besser zu Gesicht gestanden, ihre Law School ohne öffentliches Geld zu stemmen?

Größtenteils tun wir das doch. Von den 120 Millionen Euro organisieren wir 95,3 Millionen Euro über private Spenden von Unternehmen und Stiftungen, Studiengebühren und Bildungsfonds für Stipendien. Das Land gibt lediglich den Rest, die fehlenden 24,7 Millionen Euro als Anschubfinanzierung. Und das Landgericht hätte sowieso saniert werden müssen, egal wer das nutzt. 

Gehört es zur öffentlichen Aufgabe eines Staates, Privathochschulen zu fördern?

Sagen wir so: Es kann doch nicht sein, dass staatliche Universitäten wie Goetheuniversität oder TH Darmstadt in unserem privaten Teich nach Geldern fischen dürfen, wir umgekehrt aber nicht. So würden wir am Ende von der Platte gedrückt. Man muss beiden beides erlauben.

Die GEW, Schulleiter und Schülervertreter finden das mit den Zuschüssen an eine Elitehochschule und den städtischen Geldern für die Sanierung des Landgerichts dennoch schlimm. Wirft die Kritik einen Schatten auf Ihre Uni-Gründung?

Nein, wir kriegen ein überwältigendes Feedback aus der Wiesbadener Bevölkerung, durch die Bank weg. Ich weiß auch, dass die Rathauskoalition in Wiesbaden aus Grünen, CDU und FDP, die das entschieden hat, ebenfalls ein sehr positives Feedback bekommt.

Ihre Vizepräsidentin Fuchs sagte in einer Diskussion mit Gewerkschaftern, EBS-Studenten könnten ja beim Anstreichen der maroden Schulen helfen. Haben sich schon Studenten gemeldet, die zum Pinsel greifen wollen?

Frau Fuchs hat das keineswegs arrogant oder zynisch gemeint. Unsere Jurastudenten in Wiesbaden werden sich künftig genauso sozial engagieren wie im Rheingau. Ob das in Kindergärten, Heimen oder Schulen sein wird, weiß ich noch nicht.

Wie hilfreich war es bei den Zuschuss-Verhandlungen mit dem Land, dass der hessische FDP-Fraktionschef Florian Rentsch im EBS-Stiftungsvorstand sitzt?

Überhaupt nicht. Rentsch ist erst Ende 2009, also nach der ganzen Entscheidung in den Vorstand, eingetreten. Übrigens hat auch die SPD die ganze Sache mit betreut. Wir haben in der Planung extra den Bürgersaal am Campus berücksichtigt, den die SPD gefordert hat.

Zum Deal mit Stadt und Land gehört, dass Sie die EBS zu einer Top-Wirtschaftsuniversität mit internationalem Ruf machen. Hat eine Privatuni in Deutschland mit seinen starken staatlichen Universitäten überhaupt eine Chance, es mit Top-Adresse wie der Wharton School oder der Harvard Business School aufzunehmen, die ganz andere Rahmenbedingungen haben?

Ich glaube schon. Wenn man sich die global besten Player in Europa und der Welt anschaut, dann sind das mal staatliche, mal private, mal gemischte Formen. Ich glaube nicht, dass das von der Organisierung abhängt, sondern von der Art der Unterstützung - sei es durch Alumni-Netzwerke, sei es durch die Öffentlichkeit, Studenten oder eben die Wirtschaft.

Zu einer Top-Uni gehören auch Top-Professoren. Die staatlichen Unis locken Ihnen aber mit Beamtenstatus und hohen Pensionsansprüchen ständig Top-Leute weg, wie etwa Andreas Hackethal, der zur Goethe-Uni wechselte, oder Ann-Kristin Achleitner, die zur TU München ging. Wie soll eine Privatuni da je top werden?

Es sind ein paar gegangen, aber noch viel mehr gekommen: Ich habe mit 26 Professoren begonnen, heute sind es über 80. Wir kaufen ja auch umgekehrt aus dem öffentlichen System heraus: Unseren VWL-Chef Dominique Demougin etwa haben wir mit 48 Jahren von einer staatlichen Uni geholt.

Wie lange wird es denn dauern, bis Top-Talente aus aller Welt sich an der EBS einschreiben und 30 Nationen im Hörsaal sitzen?

Wir werden in fünf Jahren so weit sein, dass erstmals eine deutsche Wirtschaftsuni im internationalen Wettbewerb eine Rolle spielt.

Wird es dann endlich mit der EQUIS-Akkreditierung klappen und die EBS in den elitären Kreis weltweiter Top-Hochschulen aufgenommen?

Mal schauen. Unsere Chancen stehen dann jedenfalls besser als 2006/07.

In Wiesbaden ist billiger Wohnraum knapp. Wie sieht es mit einem Studentenwohnheim für die EBS aus?

Wir führen Gespräche mit der Fachhochschule. Vielleicht können wir gemeinsam ein Studentenwohnheim auf die Beine stellen.

In Oestrich haben die Bauern Häuser gebaut, um Zimmer teuer an EBS-Studenten zu vermieten. Müssen die Wiesbadener damit rechnen, dass bald die Mieten im Westend wegen der EBS steigen?

Mal gucken, aber ich glaube nicht. In Oestrich-Winkel konnten für die hinterletzte Garage überhöhte Preise verlangt werden, weil es keinen anderen Wohnraum gab und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr schwierig ist. Das ist in Wiesbaden anders.

Machen Sie denn schon kräftig Werbung für die Law School?

Die Werbung läuft jetzt langsam an, im Sommer wird es dann massiv losgehen. Juristische Fachzeitschriften und studentische Zeitungen berichten schon relativ viel über uns. Der Gründungsdekan, der führende Arbeitsrechtler Freiherr von Hoyningen-Huene ist seit August 2009 da, und hat sein Team aufgebaut.

Was für eine Fakultät plant die EBS als nächstes?

Wir wollen in den nächsten Jahren eine Supply Chain School (Logistik-Institut, Anm. d. Autors) als dritte Fakultät gründen. Das macht im Rhein-Main-Gebiet viel Sinn, da in diesem Bereich viele Menschen beschäftigt sind, mehr als bei Banken und Finanzdienstleistern.

Ab wann darf sich Wiesbaden den Titel Universitätsstadt auf die Fahnen schreiben?

Ab Juni, denn dann kann sich die EBS offiziell als Universität in Gründung bezeichnen. Die ersten Jura-Studenten kommen im September 2011.

(mit Sabine Müller)

Frankfurter Rundschau 19.3.2010