Schill will Hessen erobern

Law and Order und die Aussiedler - so will der Hamburger Innensenator Ronald Schill mit seiner Partei auch in Hessen punkten. Ausgangspunkt dafür ist Eppstein-Bremthal. Protokoll einer bizarren Begegnung.

Hochgewachsen, elegant gekleidet und die Stimme fast sanft - bei der Begrüßung arbeitet Hamburgs Innensenator Ronald Schill strikt gegen sein Image als "Richter Gnadenlos". Er ist an diesem Nachmittag von der Waterkant nach Bremthal gekommen, um den Rechtsanwalt und Personalberater Frank Bücken im Wahlkampf zu unterstützen. Denn der ist Vorsitzender der Schill-Partei in Hessen und Spitzenkandidat bei der bevorstehenden Landtagswahl.

Doch kaum hat das Gespräch begonnen, ist es mit der hanseatischen Zurückhaltung auch schon vorbei. Ohne die Tonlage merklich zu verändern, wiederholt Schill seine Forderung, das beim Moskauer Geiseldrama verwendete Nervengas auch in Deutschland zu benutzen. "Allerdings habe ich immer betont, dass ein Gegenmittel bereit gehalten werden muss." Und zu dem entführten Segelflieger, der einen ganzen Nachmittag Frankfurt in Aufruhr versetzte, erklärt er: "Der wäre in Hamburg nicht so lange am Himmel geblieben."

Es ist - kaum überraschend - die rechtskonservative Klientel, um die die Schill-Partei in Hessen buhlen will. "Die Hardliner in der CDU sehen uns als ideale Partner", sagt Schill, der am Abend in Frankfurt noch zu einer Veranstaltung mit "Heimkehrern" will, wie er die Russlanddeutschen nennt. Dass gerade in Hessen auch die Christdemokraten "Law-and-Order" für sich reklamieren, ficht weder Schill noch Frank Bücken an. Habe nicht eine CDU-Regierung seinerzeit in Weiterstadt ein Gefängnit "mit olympiareifem Schwimmbad für die Straftäter" gebaut?

Eine Volkspartei wie die CDU sein ein Dampfer, der von einem beweglicheren Partner angeschoben werden müsse, so Frank Bücken. Dies solle in Zukunft jedoch nicht mehr von links durch die FDP, sondern von rechts, "durch uns" geschehen. Dabei müsste sie ihr Ergebnis der letzten Bundestagswahl in Hessen allerdings fast verzehnfachen. 0,6 Prozent der Stimmen erzielte sie dort im vergangenen September - bei 0,8 Prozent bundesweit.

Dennoch sieht der Hamburger Innensenator, dessen Partei seit ihrem Triumph bei den Bürgerschaftswahlen in seiner Heimatstadt in kein Parlament mehr eingezogen ist, "gute Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen". Der "Verärgerungsfaktor" in Deutschland sei "gigantisch". Außerdem  fehle im Gegensatz Bundestagswahl in Hessen die Polarisierung zwischen den beiden großen Volksparteien, da die SPD schon "keine Chance" mehr habe.

Ihr hoch gestecktes Ziel versuchen die 300 Mitglieder der Schill-Partei in Hessen durch die gezielte Ansprache einzelner Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Konservativen Unternehmern etwa, die eine noch stärkere Zurückdrängung des Staates aus der Wirtschaft wollten. Und eben die "Heimkehrer", zu denen Schill und Bücken sich denn auch direkt nach dem Gespräch aufmachen.

Höchster Kreisblatt 25.1.2003