Ärger um die "Fischhalle"

Christoph Mäckler (Renate Hoyer)

Mit seinen Plänen für den Berliner Platz in Kronberg will der renommierte Architekt Christoph Mäckler seinen Mitbürgern ein Geschenk machen. Dass viele mit Spott und Ablehnung reagieren, macht ihn fassunglos. Ein Besuch.

"Eigentlich bin ich kein Raucher" , sagt Christoph Mäckler zu Beginn des Gesprächs - und zündet sich eine Eckstein ohne Filter an. Die vergangenen Wochen sind an dem Architekten des Berliner-Platz- Projektes nicht spurlos vorüber gegangen. "Ich hätte es nie anfangen sollen" , seufzt er. Was aber nicht daran liege, dass er sich inhaltlich davon distanziere, wie er rasch ergänzt: "Ich halte die Markthalle immer noch für eine wunderbare Sache."

Was dem 52-Jährigen zu schaffen macht, sind die "persönlichen Angriffe", denen er seit dem Beginn des Bürgerbegehrens ausgesetzt sei. Und denen er und seine Familie auch nicht ausweichen können. Denn die Mäcklers sind seit März vergangenen Jahres selbst Kronberger. Sogar beim Einkaufen müsse er sich zum Teil heftiger Vorwürfe erwehren, was er den Kronbergern alles antun wolle, so der Architekt. "Viele Menschen scheinen zu glauben, dass ich den ganzen Schulgarten zubetonieren will."

Am meisten wurmt ihn allerdings der öffentlich erhobene Vorwurf, er habe ein mangelndes Demokratieverständnis. Mäckler zählt auf: In acht Sitzungen habe er Vertretern von Magistrat und Parlament seine Pläne präsentiert und habe es zusätzlich in allen Fraktionen einzeln vorgestellt. Die Bürger hätten sich in zwei Bürgerversammlungen darüber informieren können, außerdem sei das Modell auf den vergangenen zwei Herbstmärkten zu sehen gewesen. Wenn es Änderungsvorschläge gab, habe er sie in seine Pläne eingearbeitet. Dabei sei unter anderem die umstrittene Markthalle - die wegen seines unglücklichen Vergleichs mit dem Fischmarkt in Venedig inzwischen von den Gegnern nur noch als "Fischhalle" bezeichnet wird - sogar kleiner geworden und aus dem Schulgarten herausgerückt. Und auch die beiden Bäume im Schulgarten seien nie gefährdet gewesen, wie immer wieder behauptet werde, betont Mäckler.

"Ich lebe hier. Ich würde mir doch selbst einen Tort antun, wenn die Bäume weg kämen." Christoph Mäckler, seine Frau Claudia und ihre fünf Kinder bewohnen die Villa Hembus, eines der bekanntesten Häuser in Kronberg. Grund für die Wahl des Wohnortes sei gewesen, dass sich in der Taunusgemeinde die städtischen Strukturen "auf wunderbare Weise erhalten haben". Und natürlich habe es ihm auch das 150 Jahre alte Haus angetan, das er "in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege" umgebaut hat.

Und obwohl er so beinahe direkt am Ort des Geschehens lebt - dass es gegen sein Berliner-Platz-Modell derart große Widerstände geben könnte, hat er nicht ansatzweise erwartet. Schließlich habe es vor der Abstimmung über den Verkauf des Geländes und den Bebauungsplan im Dezember so gut wie keine Kritik dagegen gegeben. Den Initiatoren des Bürgerbegehrens wirft er "politischen Aktionismus" vor - und Irreführung der Bevölkerung. Nur deshalb habe er eine einstweilige Verfügung erwirkt, die der Initiative verbietet, weiter Zeichnungen von ihm zu benutzen und zu behaupten, die Markthalle solle entgegen der ursprünglichen Pläne "noch vergrößert und gänzlich in den Schulgarten verschoben werden".

Dass die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen die Verfügung Einspruch einlegen wollen, sieht Christoph Mäckler gelassen: "Ich bin sehr gespannt, wie sie das machen wollen." Ebenso gelassen gibt er sich auf die Frage, was es für ihn persönlich bedeuten würde, wenn das Berliner-Platz-Projekt scheitern sollte. "Wenn entschieden wird, es wird nicht gebaut, dann ist das eben so. Das ist für einen Architekten das tägliche Geschäft." Er und seine 35 Mitarbeiter hätten derzeit auch so genug zu tun. So stehen allein in Frankfurt mehrere wichtige Projekte an, darunter das Zürichhochaus am Opernplatz, wo sich auch Mäcklers Büro befindet, oder die Rekonstruktion der alten Stadtbücherei am Main.

Frankfurter Rundschau 17.2.2004