Nur der Sand trübt das Wasser

Hattsteinweiher (Renate Hoyer)

Der Hattsteinweiher bei Usingen ist der einzige Badesee im Hochtaunuskreis. Doch Bakterien und Algen machen immer wieder Probleme. Ein Selbstversuch.

Trüb ist es schon, das Wasser. Kaum bin ich ein paar Schritte in den Weiher hineingewatet, kann ich meine eigenen Füße nicht mehr erkennen. Doch Schuld sind nicht die gefürchteten Algen, wegen derer der Teich in den vergangenen Jahren immer wieder gesperrt werden musste.  Zum Glück ist es lediglich der Sand, den ich selbst beim Hineinlaufen aufwirble - unterstützt von den zahlreichen Kindern, die hier durch den Nichtschwimmerbereich toben.

"Sie müssen ein Stück hinausschwimmen", empfiehlt Inge Talhofer, die gerade ihre Runde durch den Weiher beendet hat. "Da ist das Wasser gut." Die Bad Cambergerin verbringt gemeinsam mit Enkelin Cynthia und deren Freundin einen "Oma-Tag" am Hattsteinweiher. Nach mehreren Jahren ist sie dazu mal wieder an den Taunus-Badesee gefahren.

Na gut, ich vertraue ihr und stürze mich kopfüber in die Fluten. Sehr erfrischend. Aber obwohl ich bis zur Mitte des Teichs schwimme - viel besser wird die Sicht durch das trübe Wasser nicht. Das hält mich nicht davon ab, mich eine gute Viertelstunde durch den Weiher treiben zu lassen. Ein wenig skeptisch geworden, vermeide ich aber jede hastige Bewegung. Nur kein Wasser schlucken!

Beim Verlassen des Weihers treffe ich Alexandra und Sabine. Beide sind im Sommer fast täglich hier . Doch schwimmen - darauf verzichten die beiden 30 Jahre alten Frauen dankend. Sie kommen lediglich hier heraus, um sich auf der Wiese zu sonnen. "Zum Schwimmen ist uns der Weiher zu dreckig", sagt Alexandra.

"Der Hattsteinweiher ist nun einmal ein natürliches Gewässer", kontert Jürgen Friedrich vom Bauamt in Usingen. Was die Belastung mit Bakterien angeht, sei der 1,6 Hektar große Teich in einem guten Zustand. So bescheinigt die jüngste Laboruntersuchung, die auf der Internet-Seite der Stadt Usingen nachzulesen ist, eine "ausgezeichnete" Wasserqualität. Friedrich geht davon aus, dass sich daran bis zum Ende des Sommers nichts ändern wird.

Dass der Badeteich in den vergangenen Jahren immer wieder geschlossen werden musste, habe auch nicht an der Bakterienbelastung gelegen, erläutert Jürgen Friedrich. Schuld daran waren die Algen, die sich bei hohen Temperaturen in dem Weiher ausbreiten. Die seien zwar nicht gesundheitsschädlich, doch ein EU-Gesetz hatte bislang vorgegeben, dass in Badegewässern eine Sichttiefe von mindestens einem Meter gewährleistet sein muss, weil ansonsten ertrinkende Menschen nur sehr schwer auszumachen sind. Die Rechtslage werde sich jedoch demnächst ändern, so Friedrich. Deshalb hat die Stadt entschieden, die Algenbelastung schon jetzt nicht mehr zum Kriterium zu machen ob sie das Schwimmen im Hattsteinweiher verbietet, der an guten Tagen von 500 Menschen besucht wird.

Derzeit gebe es auch noch eine "relativ gute Sichttiefe", so Jürgen Friedrich. Um die Gefahr des Ertrinkens zu reduzieren, hat die Stadt den Nichtschwimmerbereich mit einem Seil abgetrennt und mehrere Hinweisschwilder aufgestellt.

Den Algen rückt man derweil mit einer Umwälzpumpe zu Leibe, die für mehr Sauerstoff sorgt. Außerdem werden die Badenden gebeten, sich zu duschen, bevor sie ins Wasser springen.

Frankfurter Rundschau 27.06.2008